Warum nehmen Babys alles in den Mund? Die Mundphase erklärt
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Die eigenen Finger. Der Ärmel vom Body. Das Kuscheltier. Der Beißring. Und natürlich genau der Gegenstand, den man eigentlich gerade aus der kleinen Hand nehmen wollte.
Wenn Babys beginnen, ihre Umgebung immer aktiver wahrzunehmen, scheint plötzlich fast alles im Mund zu landen. Für uns Erwachsene kann das manchmal etwas gewöhnungsbedürftig sein. Für ein Baby ist es dagegen etwas ganz Natürliches: Der Mund ist in den ersten Lebensmonaten eines seiner wichtigsten Werkzeuge, um die Welt kennenzulernen.
Diese Zeit wird häufig als Mundphase bezeichnet. Aber warum nehmen Babys eigentlich alles in den Mund? Wann beginnt diese Phase, wie lange dauert sie – und worauf sollten wir als Eltern achten?
Warum nehmen Babys alles in den Mund?
Für uns Erwachsene ist ein Gegenstand vor allem etwas, das wir anschauen und mit unseren Händen untersuchen. Babys stehen noch ganz am Anfang dieses Lernprozesses. Sie müssen erst herausfinden, wie sich Dinge anfühlen, wie schwer sie sind, welche Form sie haben und was passiert, wenn man sie bewegt, drückt, fallen lässt – oder eben in den Mund nimmt.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt sehr schön, wie Babys Gegenstände nach und nach mit mehreren Sinnen erkunden: Sie betrachten sie, ertasten sie, bewegen sie hin und her und stecken sie in den Mund. So sammeln sie Informationen darüber, ob etwas beispielsweise weich oder hart, glatt oder rau, warm oder kalt, rund oder kantig ist.
Der Mund liefert dabei besonders viele Sinneseindrücke. Lippen und Zunge sind sehr empfindlich. Für ein Baby ist das Erkunden mit dem Mund deshalb keine schlechte Angewohnheit, sondern zunächst einmal eine ganz normale Form des Entdeckens.
Wann beginnt die Mundphase beim Baby?
Eigentlich beginnt die Beschäftigung mit dem eigenen Mund sehr früh. Schon kleine Babys stecken ihre Finger in den Mund und saugen daran. Deutlich auffälliger wird die Mundphase häufig dann, wenn das gezielte Greifen dazukommt.

Etwa im Alter von vier bis fünf Monaten beginnen viele Babys, bewusst nach Gegenständen in ihrer Reichweite zu greifen. Was die kleinen Hände erreichen und festhalten können, kann nun auch untersucht werden – und der Weg führt dabei erstaunlich oft direkt zum Mund.
Mit ungefähr einem halben Jahr können viele Babys Gegenstände bereits sicherer halten, von einer Hand in die andere geben, drehen und auf unterschiedliche Weise erkunden. Wissenschaftliche Untersuchungen zur frühen Objekt-Erkundung zeigen ebenfalls, dass das sogenannte Mouthing – also das Erkunden mit dem Mund – ein typischer Bestandteil dieses Entwicklungsabschnitts ist.
Wann genau dein Baby damit beginnt, kann natürlich unterschiedlich sein. Entwicklung läuft nicht nach einem starren Kalender.
Wie lange dauert die Mundphase?
Auf diese Frage gibt es keine feste Monatszahl.
Das Erkunden mit dem Mund ist besonders im ersten Lebensjahr ausgeprägt. Mit zunehmender motorischer Entwicklung kommen immer mehr Möglichkeiten hinzu: Babys drehen Gegenstände, untersuchen sie mit den Fingern, klopfen sie gegeneinander, werfen sie herunter und beobachten, was passiert.
Studien zeigen entsprechend, dass sich die Art der Erkundung während des ersten Lebensjahres verändert und das ausschließliche Erkunden mit dem Mund nach und nach durch andere Formen ergänzt wird.
Das bedeutet aber nicht, dass dein Kind ab einem bestimmten Geburtstag plötzlich nichts mehr in den Mund nimmt. Auch ältere Babys und Kleinkinder können Gegenstände weiterhin mit dem Mund untersuchen – insbesondere, wenn etwas neu oder interessant ist oder wenn zusätzlich die Zähne drücken.
Mundphase und Zahnen: Ist das eigentlich dasselbe?
Nein. Und diese Unterscheidung ist wichtig.
Die Mundphase ist Teil der kindlichen Entwicklung und Exploration. Dein Baby nimmt Dinge in den Mund, weil es sie kennenlernen möchte.
Beim Zahnen kommt ein weiterer Grund hinzu: Kauen und Gegendruck können sich auf empfindlichem Zahnfleisch angenehm anfühlen. Viele Babys kauen deshalb während des Zahnens besonders intensiv auf ihren Fingern, Spielsachen oder anderen erreichbaren Gegenständen herum.
Die ersten Milchzähne zeigen sich laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit meistens ungefähr zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat. Andere kinderärztliche Quellen beschreiben erste Zahnungszeichen bereits etwas früher. Wie so oft gilt: Jedes Baby hat sein eigenes Tempo.
Typisch können unter anderem stärkerer Speichelfluss, empfindliches oder gerötetes Zahnfleisch und ein größeres Bedürfnis zu kauen sein.
Wichtig ist gleichzeitig: Hohes Fieber, Durchfall oder ein deutlich krank wirkendes Baby sollten nicht einfach mit dem Zahnen erklärt werden. Wenn dein Baby krank erscheint oder du dir unsicher bist, gehört das kinderärztlich abgeklärt.
Ist es schlimm, wenn mein Baby ständig Dinge in den Mund nimmt?
Das In-den-Mund-Nehmen selbst ist zunächst einmal normal. Die entscheidende Frage ist vielmehr:
Was landet im Mund?
Und genau hier beginnt wahrscheinlich der Teil der Mundphase, der Eltern gelegentlich ein paar zusätzliche graue Haare beschert.
Ein Baby unterscheidet schließlich nicht zwischen einem dafür vorgesehenen Beißspielzeug und dem Gegenstand, der zufällig gerade unter dem Sofa lag.
Das bedeutet nicht, dass zuhause plötzlich alles steril sein muss. Es bedeutet aber, dass wir die Umgebung mit anderen Augen betrachten sollten, sobald unser Baby mobil wird und gezielt greifen kann.
Was sollte besser nicht im Babymund landen?

Besonders wichtig sind Gegenstände, die verschluckt werden oder die Atemwege blockieren können. Kleine Teile gehören deshalb grundsätzlich außer Reichweite von Babys und Kleinkindern.
Dazu zählen beispielsweise:
- Münzen und Knöpfe
- Perlen und kleine Spielzeugteile
- Knopfzellen und Batterien
- Magnete
- abgebrochene oder lose Teile von Gegenständen
- Gegenstände mit scharfen oder beschädigten Kanten
Auch bei Spielzeug lohnt es sich, regelmäßig genauer hinzusehen: Gibt es Risse? Lösen sich Bestandteile? Ist der Gegenstand überhaupt für das Alter des Babys vorgesehen?
Die europäischen Sicherheitsanforderungen berücksichtigen ausdrücklich, dass Kinder unter drei Jahren Dinge in den Mund nehmen. Spielzeuge für diese Altersgruppe dürfen deshalb keine entsprechend verschluckbaren Kleinteile freisetzen.
Und was ist mit Kunststoff?
Bei diesem Thema lohnt sich etwas Differenzierung.
„Plastik“ ist nicht automatisch gefährlich und ein geprüftes Babyprodukt aus Kunststoff kann selbstverständlich für ein Baby geeignet sein. Gleichzeitig ist aber auch nicht jeder Kunststoffgegenstand aus unserem Alltag dafür hergestellt worden, regelmäßig angelutscht oder bekaut zu werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Kinder Stoffe aus Gegenständen über den Mund aufnehmen können. Für Babyartikel und Spielzeug bestehen deshalb besondere gesetzliche Anforderungen und Beschränkungen, beispielsweise für bestimmte Weichmacher.
Die sinnvollere Faustregel lautet deshalb nicht „kein Kunststoff“, sondern:
Gib deinem Baby möglichst Dinge zum Kauen und Erkunden, die genau dafür vorgesehen sind.
Muss während der Mundphase alles besonders sauber sein?
Spätestens an diesem Punkt kennen wahrscheinlich viele Eltern den Gedanken: „Das war doch gerade noch auf dem Boden.“
Natürlich sollten Dinge, auf denen dein Baby regelmäßig kaut, sauber gehalten und entsprechend den Herstellerangaben gereinigt werden. Gleichzeitig lässt sich ein Babyalltag nicht in ein steriles Labor verwandeln – und das ist auch nicht das Ziel.
Praktischer ist es, einige geeignete Dinge griffbereit zu haben, die regelmäßig gereinigt werden können. Dann gibt es eine gute Alternative, wenn gerade wieder Tischkante, Fernbedienung oder Schlüsselbund besonders interessant erscheinen.
Was kann ich meinem Baby zum Kauen anbieten?

Wenn dein Baby ohnehin gerade alles mit dem Mund untersucht, kannst du ihm bewusst Gegenstände anbieten, die für Babys und für diesen Zweck gedacht sind.
Je nach Alter und Entwicklungsstand können dazu beispielsweise geeignete Beiß- und Kauprodukte gehören. Auch ein sauberer, angefeuchteter Waschlappen wird von offiziellen Empfehlungen als mögliche Unterstützung während des Zahnens genannt.
Bei klassischen Beißringen gilt: Kühl kann sich angenehm anfühlen, gefroren sollten sie allerdings nicht sein. Sehr kalte und dadurch sehr harte Gegenstände können empfindliches Zahnfleisch verletzen.
Von Bernsteinketten oder anderem Zahnungsschmuck raten unter anderem Kinderärzte und Behörden ab. Solche Ketten können ein Strangulations- oder Verschluckungsrisiko darstellen, und für die häufig beworbenen Wirkungen von Bernstein gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.
Warum Kauen sich für Babys so gut anfühlen kann
Gerade während des Zahnens suchen viele Babys regelrecht nach Gegendruck. Vielleicht kennst du das: Plötzlich wird mit erstaunlicher Entschlossenheit auf Fingern, Spielzeug oder allem anderen herumgekaut, was gerade erreichbar ist.
Genau deshalb werden Beißringe und andere dafür vorgesehene Kauhilfen empfohlen. Sie geben dem Baby etwas, worauf es bewusst kauen kann.

Dabei muss eine Kauhilfe nicht möglichst weich sein. Entscheidend ist vielmehr, dass Material und Konstruktion für diesen Zweck geeignet sind und sich das Kauen für das Baby angenehm anfühlt.
Warum unsere Kaustange genau aus dieser Alltagssituation entstanden ist
Schnuckuli ist nicht am Reißbrett entstanden.
Am Anfang standen unsere eigenen Töchter – und die Suche nach einer Zahnungshilfe, die sich in unserem Familienalltag richtig anfühlt.
Wer diese Phase selbst erlebt hat, kennt das Prinzip: Das Baby möchte kauen. Wieder und wieder. Und plötzlich betrachtet man jeden Gegenstand, den die kleinen Hände erreichen können, mit völlig anderen Augen.
Aus dieser Idee entstand unsere Schnuckuli Kaustange.

Wir wollten bewusst eine andere Alternative zum klassischen Beißring: eine längliche, gut greifbare Kaustange aus Baumwolle, die Babys festhalten, fühlen und natürlich in den Mund nehmen können.
Unsere Kaustange besteht aus 100 % Baumwolle, wird in Deutschland von Hand gefertigt und kann bei 60 °C gewaschen werden.
Besonders wichtig war uns ihr Kauverhalten: Sie sollte nicht hart sein, aber eben auch nicht einfach nur weich. Die Kaustange bleibt in ihrer Form und gibt beim Kauen leicht nach. Dieser Druckpunkt ist genau das, was wir bei der Entwicklung erreichen wollten.
Oder einfacher gesagt:
Fest in der Form. Nachgiebig beim Kauen.
Sie soll die Mundphase nicht „lösen“ – denn es gibt nichts zu lösen. Die Mundphase gehört zur Entwicklung deines Babys.
Unsere Kaustange gibt deinem Baby einfach etwas, das ganz bewusst zum Greifen, Fühlen und Kauen gedacht ist.
Die Mundphase ist keine schlechte Angewohnheit
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesem ganzen Thema.
Wenn dein Baby zum hundertsten Mal an seinen Fingern kaut oder einen Gegenstand zielstrebig zum Mund führt, macht es nicht einfach „irgendetwas komisches“.
Es entdeckt. Es fühlt. Es lernt.
Und es benutzt dafür eines der empfindlichsten Sinnesorgane, das ihm in diesem Moment zur Verfügung steht.
Wir müssen die Mundphase deshalb nicht verhindern. Wir können sie begleiten – indem wir die Umgebung sicher gestalten und unserem Baby Dinge anbieten, die es mit gutem Gefühl greifen, fühlen und erkunden darf.
Häufige Fragen zur Mundphase
Warum steckt mein Baby ständig die Hände in den Mund?
Das beginnt häufig schon sehr früh. Babys entdecken zunächst den eigenen Körper und lernen ihre Hände und Finger kennen. Finger in den Mund zu nehmen und daran zu saugen ist deshalb zunächst ein ganz normales Verhalten und nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass dein Baby zahnt.
Ist alles in den Mund nehmen ein Zeichen fürs Zahnen?
Nein. Babys erkunden Gegenstände grundsätzlich mit dem Mund. Während des Zahnens kann das Bedürfnis zu kauen allerdings deutlich stärker werden.
Ab wann beginnt die Mundphase?
Erste Mund- und Handerkundungen beginnen bereits in den ersten Lebensmonaten. Besonders auffällig wird die Mundphase bei vielen Babys ungefähr dann, wenn sie ab dem vierten bis fünften Monat immer gezielter nach Gegenständen greifen können.
Wann hört die Mundphase wieder auf?
Dafür gibt es keinen festen Zeitpunkt. Im Laufe des ersten und zweiten Lebensjahres kommen immer mehr andere Möglichkeiten hinzu, Gegenstände zu untersuchen. Das Erkunden mit dem Mund nimmt dadurch meist nach und nach ab, kann aber auch bei älteren Babys und Kleinkindern noch vorkommen.
Was kann ich meinem Baby während der Mundphase zum Kauen geben?
Am besten eignen sich Produkte, die ausdrücklich für Babys, das entsprechende Alter und zum Kauen oder In-den-Mund-Nehmen vorgesehen sind. Kontrolliere solche Produkte regelmäßig auf Beschädigungen und beachte immer die jeweiligen Sicherheitshinweise.
Wann sollte ich mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen?
Die Mundphase selbst ist normalerweise kein Grund zur Sorge. Wenn dein Baby jedoch Probleme beim Schlucken oder Atmen hat, einen möglicherweise gefährlichen Gegenstand verschluckt hat oder deutlich krank wirkt, solltest du medizinische Hilfe suchen. Auch Beschwerden wie hohes Fieber oder starker Durchfall sollten nicht einfach dem Zahnen zugeschrieben werden.
Quellen & weiterführende Informationen
Für diesen Artikel haben wir Informationen aus Fachliteratur sowie von Gesundheitsbehörden und kinderärztlichen Fachquellen ausgewertet:
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit – Die Greifentwicklung des Babys
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit – Zahnentwicklung und Zahnen
- Bundesinstitut für Risikobewertung – Gesundheitliche Bewertung von Spielzeug
- Bundesinstitut für Risikobewertung – Fragen und Antworten zu Phthalat-Weichmachern
- NHS – Baby and toddler safety
- NHS – Tips for helping your teething baby
- U.S. Food and Drug Administration – Safely Soothing Teething Pain in Infants and Children
- American Academy of Pediatrics – Teething Pain Relief
- Pediatrics – An observational study of object mouthing behavior by young children
- Infant Mental Health Journal – Oral and manual exploration across the first year
- Infant Behavior and Development – Object exploration and development during the first two years
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenn du dir wegen der Entwicklung oder Gesundheit deines Babys Sorgen machst, wende dich bitte an deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt.
